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Die weißen, die roten und die wilden Derwische  – von Matthias

 

München, am 17. September

 

So erhaben, so schön, so berührend ist der Sema-Drehtanz der Sufi-Derwische. Wenn sie drehend und drehend in ihren weit schwingenden weißen Röcken mit der Erkenntnis des sich ewig drehenden Universums und mit der Erfahrung des Göttlichen verschmelzen. So exotisch und schwingend die Musik dazu.

 

Es heißt, Rumi, der große Mystiker und Poet der Sufis, habe tagelang ununterbrochen den Drehtanz praktiziert und aus diesem bis zur Erschöpfung vollzogenen Tanz sein Meisterwerk, das aus 26.000 Versen bestehende ‚Mathnavi’, geschaffen.

 

Eine Ahnung von der Kraft des Sema-Drehtanzes habe ich selbst wieder und wieder erfahren dürfen – allerdings in einem ganz anderen Szenario: Im Rahmen der im Umfeld des indischen Weisheitslehrers OSHO entstandenen ‚No Dimensions Meditation’. Denn auch sie enthält eine Phase des „Sufi-Whirling.

 

Und in diesem Drehen, wenn man einmal die richtige Fußtechnik beherrscht, löst sich tatsächlich irgendwann die Wirklichkeit in einen dimensionslosen Zustand auf. Darum ist mir die ‚No Dimensions Meditation’ die liebste von allen OSHO Meditationen.

 

Wenn man das ‚OIMR’, das ‚OSHO International Meditation Resort’ in Pune/Indien besucht, sieht man dort immer wieder, wie auf dem weiten ‚Buddha-Grove’ nicht nur Männer, sondern hier auch Frauen das „Sufi-Whirling“ als Meditation vollziehen. Nur sind die Tänzerinnen und Tänzer nicht wie die Derwische in Weiß gekleidet, sondern in Maroon, der im Resort für alle verbindlichen Farbe der Roben.

 

So erhaben, so schön, so berührend! So exotisch und schwingend die Musik dazu! Und doch ist das alles irgendwie nur ein geschönter Teil der ganzen Wirklichkeit.

 

Zugegeben, von der anderen Wirklichkeit wüsste ich nichts, wenn ich nicht den Film ‚Weit’ gesehen hätte. Dieser Film dokumentiert die Weltreise eines jungen deutschen Paares, das so lange nach Osten gegangen bzw. getrampt ist, bis es nach über drei Jahren aus dem Westen wieder nach Hause zurückkehrte.

 

Und in einer kurzen Sequenz, ich glaube im Nordirak aufgenommen, sieht man den Sema-Drehtanz in seiner wilden, wüsten, wahnsinnigen Form. Auf irgendeiner Straße in irgendeiner Stadt sitzen Trommler im Kreis und heizen mit ihren hektischen Rhythmen Männer in abgetragener Alltagskleidung an, die sich in die Mitte des Kreises werfen, sich zu drehen beginnen, taumeln, aneinander stoßen, aus dem Kreis und über die Trommler stürzen, nur um hochzuspringen und sich wieder in das archaische, ekstatische, rauschhafte Chaos des Tanzes zu werfen.

 

Ich danke den jungen Filmemachern für diesen einen wundervollen Moment! Denn sie haben mir einen Blick über die Grenzen der mir bis dahin bekannten Wirklichkeit hinaus eröffnet.

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