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Du vollkommener Mond – von Matthias

 

München, 12. Juli

 

Wer mit mir ist, bekommt es mit dem Vollmond zu tun. Denn ich bin bei Vollmond geboren und unserem immer wieder intensiv strahlenden Trabanten seit Jahrzehnten zutiefst verbunden.

 

Ich habe ihn schon in den Bergen über Alicante erwartet und in einer Bucht von Ko Phangan, am Kloster von Lamayuru im Himalaya und jetzt gerade erst wieder vor einer Bar hoch über dem Lago Maggiore, auf den Stufen eines grauen irischen Herrenhauses am Meer sitzend und im Meer schwimmend vor der Küste von Goa, über der kleinen Wüste am Istmo de la Pared auf Fuerteventura und an der Seafront von Key West. Einmal bin ich sogar in einem profanen Flixbus über die Autobahn von Würzburg nach Nürnberg genau auf einen rotgoldenen Vollmondaufgang zugesteuert worden – und war in stiller Ekstase.

 

Wenn ich zuhause in München bin, habe ich hoch unter dem Dach des alten Jugendstilhauses, in dem ich wohne, ein Fenster nach Osten. Hier kann ich den Vollmond mit einem Glas Prosecco immer wieder erwarten, begrüßen und feiern.

 

Ich weiß genau, wann Vollmond ist – und ich richte all mein Tun danach, seinen Aufgang nicht zu verpassen. Und warum? Ich beuge mein Haupt vor der Majestät des Vollmonds.

 

Alles an ihm ist stille Gelassenheit, Weisheit, Vollkommenheit, Zauber. Egal ob über fernen Horizonten oder über den Dächern meiner Stadt, er geht auf in unsagbar selbstbewusster Präsenz und gleichzeitig in absoluter Unbekümmertheit, dass er nur im Licht der Sonne strahlt. Und gerade das ist so wichtig! Denn der Vollmond ist sich seiner nachtschwarzer Schattenseite bewusst – und hat keine Scheu, uns auch diese zwei Wochen nach der Zeit der Fülle zu zeigen.

 

In allen Aspekten genau so zu sein, ist mir eigentlich spirituelles Ziel genug.

 

Und wenn Wolken den Vollmondaufgang verdecken? Dann flüstere ich den Haiku des japanischen Dichters Bashô: „Wolken ziehen auf, von Zeit zu Zeit – sie bringen die Chance, ein wenig auszuruhen von der Betrachtung des Mondes.“

 

Wichtige Information:

 

Der nächste Vollmond zeigt sich bei uns am 27. Juli – und dieses Mal sogar mit dem Schauspiel einer totalen Mondfinsternis.

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